Absicherung der Arbeitskraft

Ihre Arbeitskraft ist das wertvollste Gut, das Sie besitzen. Durch Ihre Arbeitskraft verdienen Sie Ihr tägliches Brot. Ihr verdanken Sie es, Ihre Familie ernähren und Ihren Lebensstandard halten zu können. Umso wichtiger ist es, Ihre Arbeitskraft abzusichern. Oder wer würde Ihnen Geld bezahlen, wenn Sie auf einmal aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können? Zum Glück gibt es den Staat, der Sie in einem solchen Fall nicht „hängen“ lässt, werden Sie jetzt vielleicht denken. Doch sehen wir uns an, welche Leistungen Sie tatsächlich zu erwarten haben:

Krankengeld

Als Arbeiter oder Angestellter erhalten Sie während der ersten 6 Wochen einer Arbeitsunfähigkeit von Ihrem Chef die Lohnfortzahlung. Danach springt die Krankenversicherung ein. Als gesetzlich Krankenversicherter bekommen Sie für die Dauer von maximal 72 Wochen Krankengeld. Dieses beträgt 70 % Ihres Bruttoeinkommens, maximal jedoch 90 % des Nettoeinkommens. Bei längerer Krankheit fehlen Ihnen somit also ganz schnell mehrere Hundert oder sogar Tausende Euro.

Beispiel:

2.500,- € Brutto entspricht ca. 1.600,- € Netto im Monat (Steuerklasse I). Der Anspruch auf Krankengeld beträgt 70 % vom Brutto (1.750,- €) max. jedoch 90 % vom Netto (1.440,- €). In unserem Beispiel bedeutet dies also ein Krankengeld von 1.440,- € monatlich. Allerdings „Brutto“: Denn hiervon gehen noch Beiträge für die Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegepflichtversicherung weg. Die gesetzliche Krankenversicherung ist während des Bezugs von Krankengeld beitragsfrei. Die Beiträge zu den übrigen Sozialversicherungen teilen sich der Versicherte und die Krankenkasse. Für das Jahr 2017 gehen demnach 12,125 % weg – ohne Zusatzbeitrag in der Pflegepflichtversicherung von 0,25 % für Kinderlose über 23. Der ist vom Versicherten allein zu zahlen und kommt ggf. noch dazu.

Berechnung:

1.600,- € - (1.440,- € - 12,125 %) = 333,16 €

Eine längere Krankheit bedeutet also hier rund 330,- € monatlich weniger zur Verfügung. Die Differenz zwischen dem Krankengeld und Ihrem Nettoeinkommen können Sie durch eine Krankentagegeldversicherung absichern.

Erwerbsminderungsrente

Berufsunfähigkeitsversicherung Erfolgt keine Genesung und Sie müssen aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aufhören zu arbeiten, erhalten Sie von der gesetzlichen Rentenversicherung eine sogenannte Erwerbsminderungsrente. Diese löste 2001 die bis dorthin gültige Berufsunfähigkeitsrente ab. Seit diesem Zeitpunkt haben nur noch Personen, die vor dem 01.01.1961 geboren sind, Anspruch auf eine Berufsunfähigkeitsrente. Alle anderen erhalten nur noch die Erwerbsminderungsrente (EMR).

Dabei unterscheidet man die volle EMR und die halbe EMR. Für beide gilt, dass Sie eine Mindestwartezeit von 5 Jahren erfüllt haben müssen, also mindestens 5 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung Beiträge entrichtet haben. Ist diese Mindestvoraussetzung erfüllt, haben Sie im Falle der Erwerbsminderung Anspruch auf eine Rente. Die Höhe der Rente richtet sich dabei nach den bereits angesammelten Entgeltpunkten in der gesetzlichen Rentenversicherung. Wie hoch Ihre persönliche EMR ist, können Sie Ihrer Renteninformation entnehmen.

Als grobe Faustformel gilt, dass Sie bei der vollen EMR ca. 32 % Ihres letzten Bruttoeinkommens erhalten. Diese bekommen Sie, wenn Sie täglich weniger als 3 Std. im Stande sind zu arbeiten. Wobei es keine Rolle spielt, welchen Beruf Sie erlernt, oder zuletzt ausgeübt haben, oder welche Tätigkeit Sie noch ausüben könnten. Sie können auf jede beliebige Tätigkeit verwiesen werden. Auch wird nicht berücksichtigt, ob der Arbeitsmarkt überhaupt eine Stelle für Sie bietet. Nur die Tatsache, dass Sie noch bis zu 3 Stunden täglich arbeiten könnten, ist hier ausschlaggebend. Sind Sie noch im Stande zwischen 3 und 6 Std. täglich zu arbeiten, egal was, so erhalten Sie die halbe EMR, was ca. 16 % Ihres derzeitigen Bruttoeinkommens entspricht. Bei mehr als 6 Std. Arbeitsfähigkeit gibt es nichts.

Egal ob volle oder halbe EMR, die Leistungen sind immer zu wenig und es entsteht meist eine erhebliche Versorgungslücke. Diese Lücke können Sie mit einer privaten Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung schließen.

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Bei Beamten verhält es sich etwas anders. Hier spricht man nicht von Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit, sondern von Dienstunfähigkeit. Beamte auf Widerruf und Beamte auf Probe werden bei Dienstunfähigkeit in den Ruhestand entlassen und in der gesetzlichen Rentenversicherung nachversichert. Damit gilt gleiches wie oben.

Ein Beamter auf Lebenszeit wird wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzt Der Unterschied besteht darin, dass hier Anspruch auf Versorgungsbezüge wegen Dienstunfähigkeit besteht, sofern mindestens 5 Dienstjahre abgeleistet wurden. Die Höhe der Versorgungsbezüge richtet sich nach der Anzahl der ruhegehaltsfähigen Dienstjahre und der Besoldungsgruppe.

Allerdings kann davon ausgegangen werden, dass bei weniger als 20 ruhegehaltsfähigen Dienstjahren lediglich die Mindestversorgung von derzeit rund 1.500,- € zum Tragen kommt.

Eine herkömmliche Berufsunfähigkeitsversicherung reicht für Beamte nicht aus. Hier empfiehlt sich unbedingt der Abschluss einer Dienstunfähigkeitsversicherung. In der Vergangenheit gab es deswegen schon mehrmals rechtliche Auseinandersetzungen, in denen entschieden wurde, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung keine Leistung wegen Dienstunfähigkeit erbringen muss. Dienstunfähigkeit ist nicht gleich Berufsunfähigkeit.

Unfallversicherung

Arbeitnehmer sind in der Arbeit sowie auf dem Weg von der Wohnung zur Arbeit und zurück gesetzlich unfallversichert. Passiert in dieser Zeit ein Unfall mit bleibenden Schäden, gibt es eine Verletztenrente. Diese beträgt bei 100 % Minderung der Erwerbsfähigkeit 2/3 des letzten Brutto-Jahresverdienstes. Ist die Minderung unter 100 %, erfolgt die Berechnung prozentual. Eine Verletztenrente gibt es jedoch erst, wenn die Minderung der Erwerbsfähigkeit mindestens 20 % beträgt.

Bei Kindern im Kindergarten, Schüler und Studenten gilt gleiches. Versichert sind Unfälle im Kindergarten, Schule oder Hochschule, sowie die Wegeunfälle dorthin. Als Berechnungsgrundlage dienen hier 2/3 der Bezugsgröße (wichtiger Wert der Sozialversicherung, der jährlich angepasst wird). Für 2017 beträgt die Bezugsgröße 2.975,- € / Monat. Die Leistung ist abhängig vom Lebensalter des Kindes. Bis 5 Jahre gibt es 25 % der Berechnungsgrundlage (bei 100 % Invalidität), zwischen 6 und 14 Jahre 33 %, von 15 bis 17 Jahre 40 % und ab 18 Jahre 60 %.

Beispiel:

Ein 4-jähriger, der im Kindergarten einen Unfall erleidet und dadurch eine Invalidität von 50 % davonträgt, erhält:
  • 2.975,- € x 2/3 = 1.983,33 €
  • daraus 25 % = 495,83 €
  • davon 50 % = 247,92 €
247,92 € Verletztenrente pro Monat. Nicht gerade viel, wenn man bedenkt, dass die Verletzung später auch die Berufswahl und Berufsausübung (und damit den möglichen Verdienst) des Kindes einschränken wird.

Beamte erhalten nach einem Dienstunfall ein Unfallruhegehalt bzw. Unterhaltsbeitrag. Die Höhe ist abhängig von ruhegehaltsfähiger Dienstzeit und Besoldungsgruppe.

Soviel zur gesetzlichen Absicherung bei Unfällen. Doch diese Versorgung besteht nur bei Unfällen während der Arbeitszeit bzw. bei Wegeunfällen. Also nur während rund 1/3 unserer Zeit.

Unfallversicherung Den größten Teil des Tages sind wir ohne Absicherung – und genau hier passieren die meisten Unfälle: In der Freizeit, im Haushalt, Garten, beim Sport usw. Dieses Risiko lässt sich durch eine private Unfallversicherung abdecken. Der wesentliche Bestandteil einer Unfallversicherung ist die Invaliditätssumme. Sie dient als Grundlage für die Berechnung von Leistungen nach einem Unfall mit Invaliditätsfolge.

Die Höhe sollte so gewählt werden, dass der Kapitalbedarf für notwendige Umbauten gedeckt ist. Z.B. Rampen als Treppenersatz, Lift in die oberen Stockwerke, behindertengerechte Umrüstung des Autos etc. Zusätzlich soll auch eine eventuelle Einkommenseinbuße nach einem Unfall berücksichtigt werden. Dies geschieht durch eine Unfallrente oder eine entsprechende Erhöhung der Invaliditätssumme. Außerdem sollten noch Leistungen für kosmetische Operationen, Bergungskosten in ausreichender Höhe und Insektenstiche bzw. –bisse (Zecken) mitversichert sein.

Weitere Leistungspunkte die in eine Unfallversicherung eingeschlossen werden können, aber nicht existenziell sind: Todesfallleistung, Soforthilfe, Krankenhaustagegeld, Schmerzensgeld bei Knochenbrüchen, Assistance Leistungen und vieles mehr. Je nach persönlichem Bedarf ist individuell zu entscheiden welche Punkte mitversichert werden sollen.

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